![]() |
|||||||||||
|
Vor knapp vier Jahren sind die US-Weltreisenden Verna Norris and Jim Seavey im Bundesstaat Oregon gestartet. Stilecht in BMW-Textilanzügen und Schuberth-Klapphelmen auf Touratech-Fulldressern: BMW R 1150 GS. Mit Satellitennavigation, Funktelefon, Weltempfänger-Radio, Zusatzscheinwerfern und eigentlich allem, was sich auf zwei Rädern sonst noch unterbringen lässt. Vor allem aber mit Zeit. Mit viel Zeit. Einfach bedächtiger ist nicht nur ihre Fahrweise, das Schnecken-Logo haben sie sich nicht ohne Grund gesucht. Ruhig ist auch ihre Lebenseinstellung. Going slow ist freundlich zur Seele. Sich Zeit nehmen für das Neue, immer ohne Druck und Hetze. Wie das geht? Ihr Rezept ist einfach: „30 Jahre arbeiten, all’ dein Geld sparen, und dann alles verkaufen, Haus, Auto, Sachen, einfach Alles“, erklärt Jim. Aber selbst dann funktioniert eine Weltreisende nur unter einer Bedingung, ergänzt Verna: „Du darfst keine Kinder haben. Sonst bleibt einfach nichts übrig“. Nein, das ist keine kühle Kapitalisten-Logik, die da spricht. Schließlich bezeichnen sich die beiden nicht umsonst als „homeless“, obdachlos. „Alles was wir noch besitzen, passt in den Koffer der BMW. Das ist unser Haus.“ In die USA zieht sie zur Zeit nichts zurück, keine Angehörigen und erst Recht nicht die Politik. Präsident Bush sei eine Schande für ihr Land und ein Problem für die Welt, erklären sie dem Test-Team von MOTORRAD. Wir treffen sie zufällig auf dem Albula-Pass in der Schweiz für den „Murmeltier“-Test aus Heft 16/2004.
Die beiden Amerikaner sind hängen geblieben in Europa: „Hier gibt es so viel zu sehen“. Inklusive der frisch gebackenen EU-Länder, die sie bereits im Jahr 2003 bereist haben. Prag finden sie wundervoll, das altikum malerisch. Komisch für uns, den eigenen Kontinent durch das Brennglas von Fernreisenden zu sehen. Die haben ihre US-spezifische Sicht von Entfernungen nach Europa importiert. Morgen fahren die beiden weiter nach Trento Richtung Gardasee, in der folgenden Woche besuchen sie Freunde in Holland und dann geht es wieder Richtung Mittelmeer. Alles nah beieinander. Zickzackkurs durch das Abendland, da kommen Kilometer zusammen und Erfahrungen. Etwa die der vielen Sprachen. Bei den diversen Währungen auf kleinem Raum hilft ihnen immerhin der Euro. Und bei den zahlreichen Defekten an ihren BMW’s das dicht gewebte Händlernetz der bayerischen Marke. Fünf Benzinpumpen und zwei Tellerräder im Kardan haben die beiden 1150er-Boxer sich auf zweimal 90.000 Kilometern bisher genehmigt. Dafür findet Jim deutliche Worte: „Die Qualität von BMW ist nicht so gut, wie sie sein sollte“. Punkt. Wie es weiter geht? Nun, das Leben wird sie schon weiter treiben. Im Jahr 2005 wollen die beiden mobilen 50er endlich einen neuen Kontinent unter die Räder nehmen. Eigentlich hätte Asien auf dem Programm gestanden, über die Türkei, den Iran und Pakistan nach China. „That would be fine“. Aber aus aktuellen politischen Gründen ist dieser Weg momentan verbaut: „Going east is very difficult now“. Da hat ihr Präsident ihnen aus der Ferne mächtige Steine im Irak in den Weg gelegt. Aber die Schnecken auf ihren ausladenden Tanks werden einen anderen Weg finden. Werden den Äquator überqueren und ihre Fühler Richtung Südafrika ausstrecken. Und neue Flaggen für die Koffer sammeln. Nur wann und wie, das ist heute einfach noch nicht wichtig. Das Traveller-Pärchen erzählt auf seiner umfangreichen Website www.norseaodyssey.com viel von seiner Geschichte, den Motorrädern und der Ausrüstung. Praktisch tagesaktuell informieren sie auch über den aktuellen Stand ihrer Reise und ihre nächsten Pläne. Auf eglisch, logisch, und durchaus lesenswert. Von Amerikanern, die geographisch und politisch über den Tellerrand des eigenen Landes hinaus schauen. Thomas Schmieder |
|||||||||||
|
If you find typographical errors or have any other problems when looking at the site please contact the Webmaster describing the problem and the page involved. |
|||||||||||
|
Copyright © 2000-2007 Jim Seavey and Verna Norris All Rights Reserved |
|||||||||||